Die perfekte Mutter? Oder wie ich selbst sein und leben will!

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Die perfekte Mutter? Oder vor allem die Erwartung der Gesellschaft? Oder wie ich selbst sein und leben will!

Gastbeitrag von Barbara Schilling

 

Die perfekte Mutter!?! In der modernen westlichen Welt sind stets alle busy. Vor allem die Mütter, die oft Vieles gleichzeitig handeln. Statistisch gesehen sind es meist die Mütter, die Tag für Tag quasi allein leisten, was sonst schon für zwei Personen viel wäre. Es ist ein buntes Sammelsurium: Kita, Arbeit, Fahrten, Terminen mit Familie und Freunden, Ärzten, Ämtern, plus Musikschule, Judounterricht, etc. – und dann noch das „Nebenbei“ von Einkauf, Haushalt und die eigene Partnerschaft natürlich.

Gleichwohl wir seit Generationen noch nie über so viel freie Zeit und Lebenszeit verfügen können, hetzen wir von a) nach b) erledigen unverzagt alle angesammelten Todos – oftmals im Multitasking. Doch ohne Entspannungsphasen geht auf Dauer nichts mehr.

 

Die perfekte Mutter: Chef, Elternversammlung, Staubsaugen, Vorkochen

Da bleibt selten Kraft geschweige denn Zeit für eigene Hobbys, scheint es. Dabei ist gerade das so wichtig: sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren. Doch wenn ohnehin jede kleine Abweichung das instabile System „Zeitmanagement“ gefährdet – wer hat da doch noch Lust und Nerven, sich für die eigenen Belange einzusetzen? Wie schaffen das die scheinbar „perfekten Mütter“ nur, fragen wir uns manchmal verzweifelt. Und wir setzen noch einen drauf, statt runterzuschalten, abzugeben und die Vogelperspektive einzunehmen, um zu sehen, wo es hakt. Um auch die perfekte Mutter zu sein.

 

Warum ist das so?

Was macht diese Angst aus, vor dem, was andere sagen (könnten)? Warum „leisten“ sich Mütter häufig einen Perfektionismus, der die eigenen Ressourcen überschreitet? Das Wesen der Angst ist vielfältig. Ein starker Motivator, Dinge zu tun, die einem eigentlich nicht gut tun, ist die Angst vor Zurückweisung, die zum Teil gerade bei Frauen häufig dazu führt, sich zu übernehmen. Am meisten Angst haben wir vor Dingen, die wir (scheinbar) nicht beherrschen können. Deshalb ist es so wichtig, die angstmachenden Gedanken zu relativieren und in den Griff zu bekommen.

 

Ich bin das nicht

Das Schwierigste ist für viele Mütter zuzugeben, dass sie es nicht schaffen (auf Dauer), dass sie nicht, die perfekte Mutter im Sinne von Frau „Ich-hab-alles-im-Griff-und-sehe-dabei-noch-umwerfend-aus“ sind. Warum? Es schmeckt nach Versagen; ich kann das nicht (was andere scheinbar locker leisten). Sie vergessen dabei aber die wichtigste Frage von allen: Will ich das überhaupt?

Will ich gestresst von der Hektik einen Wohnraum präsentieren können, der wie aus dem Katalog aussieht? Um welchen Preis? Und für wen? Wäre es nicht viel schöner, mit den Kindern eine Kissenschlacht zu veranstalten, mit einem Glas Wein als Eltern auf der Couch zu lümmeln oder einfach spazieren zu gehen?

Muss ich bei allen Elternveranstaltungen immer die erste sein, die „Hier“ ruft, können nicht auch mal andere Kuchen backen, die Kinder begleiten oder den Flohmarktstand betreuen, – inklusive der Partner?

Sich ehrlich zu beantworten, „Bin ich das?“ kann klarmachen, wo und ob man an einigen Stellen nur noch irgendwelchen Idealen hinterherrennt – zum Beispiel dem Ideal der „perfekten Mutter“ – als seinen persönlichen Weg und Rhythmus zu finden.

 

Gedankenspiel

Was ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn einmal nicht geputzt ist, frisch gekocht ist, alles nach Plan läuft und gut aussieht? Was ist, wenn ich mal sage: „Ich kann nicht.“? Oder noch besser: „Ich nicht will nicht.“

Wahrscheinlich passiert gar nichts. Vielleicht gibt es ein Fragezeichen, vielleicht Erstaunen, schlimmstenfalls einen blöden Kommentar. Aber mehr wird wohl nicht sein.

Das meiste also passiert im Kopf mit den Gedanken. Die eigenen (erworbenen) Ansprüche sind oft die Quälgeister, die uns das Leben schwer machen (ob durch Erziehung, die Medien oder dem eigenen Lebenstraum vermittelt).

 

Was können Sie tun, um dies als Mutter zu ändern?

 

  1. Eines hilft: Nein sagen – lernen. Denn da uns eben nur ein begrenztes Zeit-, Kraft- und Aufmerksamkeitspotential zur Verfügung steht, müssen Mütter lernen, damit umzugehen. Und dieses Potential bestmöglich nach der eigenen (!) Prioritätensetzung aufteilen.
  2. Was hilft: sich klar zu machen, eigentlich haben alle mehr oder weniger mit den gleichen Herausforderungen zu tun. Niemand ist allein mit seinen Problemen.
  3. Abgeben statt Aufgeben: Partner und mögliche Helfer stärker mit einbeziehen. Auch Kinder können früh lernen, ihren Anteil im Alltag zu leisten. Das macht sie oft sogar stolz und selbstständiger.
  4. Die eigenen Ansprüche als Mutter und Eltern herunterschrauben: muss es die Privatschule sein, obwohl die Fahrt dorthin viel länger ist? Genügt nicht ein Hobby pro Kind pro Woche? Können Fahrgemeinschaften gebildet werden? Muss es immer selbst gemacht / gebacken sein?
  5. Einen Familienrat gründen: und gemeinsam als Eltern oder mit den Kindern überlegen und festlegen, was verbessert werden kann. (Welche Prioritäten hat der einzelne? Wie können wir das zusammen hinbekommen?)
  6. Schlechtes Gewissen verjagen: Machen Sie etwas nur für sich. Verwöhnen Sie sich. Und wehe, Sie lassen dabei ein schlechtes Gewissen zu. 😉

 

Warum ist dies so wichtig?

Fakt ist, Vieles lässt sich durch „Zähne zusammenbeißen“ durchdrücken und durchstehen, doch auf Dauer geht das an die Substanz – und der Spaß geht auch verloren. Wozu also? Wer immer nur „funktioniert“, verlernt schnell zu lachen, loszulassen und hat kaum Raum, spontan zu sein.

Dabei macht das doch unser Leben aus; ist es das, was unsere Kinder von uns lernen sollen, nicht wahr? Wie schön das Leben sein kann; gemeinsam zu scherzen, herzhaft zu lachen, der Phantasie freien Lauf zu lassen, zur Ruhe zu kommen und dann wieder aktiv zu werden. Seine eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, nicht auszublenden, und diese möglichst in Einklang mit denen der Umgebung zu bekommen.

 

Statt Augen zu und durch

Lieber ein wenig Zeit und Achtsamkeit investieren in neue Strategieansätze: für mehr Freude und weniger Stress. Aufgaben (neu) zu verteilen und sich selbst nicht immer gänzlich hintenan zu stellen, ist ein erster wichtiger Schritt. Auch das oft selbstverständliche Übernehmen sämtlicher Alltagspflichten der Mütter muss nicht sein; Elternsein betrifft auch Ihren Partner; warum nicht mehr die Partner einbeziehen, wenn vorhanden? Warum nicht abgeben und – dann aber auch machen lassen, nicht ständig reinreden. Wenn der andere Dinge anders macht als Sie, ist das ok, so lange das Ergebnis passt.

Flexibler werden – auch gedanklich; muss das Essen stets um Punkt 12 Uhr auf dem Tisch stehen – was ist mit dem „akademischen“ Viertel? Muss die Verwandtschaft den toll gepflegten Garten lobend erwähnen, wenn Sie jetzt viel lieber ein Nickerchen halten würden als Unkraut zu jäten? Spüren Sie in sich hinein, was Sie als Mutter und Frau wirklich im Moment wollen oder brauchen.

Vielleicht ist auch das Budget freizumachen, um eine Hilfe zu engagieren? Jemand, der beim Saubermachen, Fensterputzen oder ähnlichem unterstützt?

P.S.: Leider gibt es auch viele Mütter oder Väter, die – alleinerziehend, krank, wie auch immer, es gibt viele Situationen und kann jeden jederzeit treffen – nicht die Möglichkeit haben, „abzugeben“. Hier wünsche ich mir auch etwas mehr Solidarität unter Eltern, Nachbarn und Bekannten. Vom Staat, vom Umfeld und von jedem einzelnen.

 

Quintessenz „Die perfekte Mutter“

Sie sind nicht allein für alles und alle Termine zuständig, auch wenn Sie sich so fühlen. Aufteilen, reduzieren und den Mut zu haben, etwas abzulehnen, seine eigenen Interessen durchzusetzen, sich nicht für alles einspannen zu lassen – ob privat oder beruflich – allein das kann ungeahnte Ressourcen freisetzen, die dann jedoch nicht gleich in das nächste Prestigeprojekt, sondern bitte „sinnvoll“ in z.B. Freizeit investieren zu sind. 😉

 

Off topic

Was viele (Haus-) Frauen nicht wissen: Wer das Gros der Hausarbeit und Kindererziehung erledigt, wer keinen oder nur teilweise einen bezahlten Job ausübt, hat mitunter sogar ein „Recht“ (nach üblicher Rechtsprechung) auf eigenes, nur für die eigenen Bedürfnisse zu verwendendes Taschengeld (http://www.finanztip.de/taschengeld-unter-eheleuten & http://abc-recht.de/ratgeber/familie/tipps/recht_familienunterhalt.php).

Dabei geht es nicht in erster Linie ums Geld, denke ich, sondern darum, dass das alles nicht als selbstverständlich anzusehen ist, die eigene Leistung zu würden und gewürdigt zu wissen.

 

Fazit

Gerade der Spagat zwischen Job und Familie, Alltag und Freizeit bringt viele Mütter an ihre Grenzen. Dabei ist doch bedeutend, dass das Hier und Jetzt möglichst Spaß macht – ganz gleich, was andere denken. In diesem Sinne: Mehr Zeit für schöne Dinge!

 

Mein persönliches Credo: Die perfekte Mutter gibt es nicht – Gott sei Dank. Aber die zufriedene.

 

Wer noch mehr dazu lesen möchte: „100 Tipps für eilige Mütter“ (Barbara Schilling, BoD – 2015)

 

Herzlichst

Ihre Barbara Schilling

 

Barbara Schilling, gebürtige Berlinerin, Werbetexterin, Autorin und Mutter, lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Potsdam, wo sie seit dem Studium (Literatur- und Kulturwissenschaften) als Unternehmerin (Werbeagentur Artivista) und Texterin vielseitig tätig ist. Ihre (Fach)Bücher sind auf www.angenehme-vorstellung.de zu finden.

 

 

P.S.: Ich hoffe, Ihnen hat der Gastbeitrag von Barbara Schilling gefallen! Wie sind Ihre eigenen Erfahrungen als Mutter? Wie gehen Sie mit den eigenen hohen Ansprüchen oder den Ansprüchen der Gesellschaft um?

Herzlichst Ihre Sabine Machowski

 

P.P.S.: Passend zu den Empfehlungen von Barbara Schilling kann ich Ihnen als Mutter meinen Achtsamkeits-Kurs sowie meine Achtsamkeits-Challenge empfehlen: um wieder mehr bei sich zu sein und sich selbst zu spüren und dadurch mehr Gelassenheit, Ruhe und Zufriedenheit zu erleben. Die Übung der Achtsamkeit ist hier ein sehr hilfreicher Ansatz.

 

5 Comments

  • Wiebke Rimasch

    Reply Reply 22. Februar 2017

    ach, ja. Kenn ich. War ich vorher doch immer relativ entspannt, was Ansprüche wie „macht alles selbst und perfekt“ bekam ich auf einmal Panik, als ich für das Elterncafè in der Krippe meines Sohnes, etwas zu essen mitbringen sollte. Und keine Zeit hatte.

    Mir war klar: ich stell mich nicht am Abend noch in die Küche. Aber was dann? Was kaufen!
    Und was?

    Kekse und Kuchen wären gegangen. Aber schlimmer noch: Ich will gar nicht, das mein 17 Monate alter Sohn nur so’n Zeug isst. Das gab es nämlich laut der dort ausliegenden Liste schon genug. Ist ja auch ok. Ich will halt nur nicht, dass mein Sohn nur das isst. Obst stand aber auch schon auf der Liste (wäre easy zuzubereiten gewesen).

    Todesmutig kaufte ich Trockenfrüchte.

    Nur mein Sohn aß sie.

    Und ich fand mich gut 🙂

    Ich glaube, es ist einfach wichtig, sehr aufmerksam (achtsam ;)) dafür zu sein, wann dieses alte Programm anspringt, wie eine „gute Mutter“ zu sein hat. Und dann braucht es wirklich ein wenig Mut, genau das nicht zu machen.

    Schöner Artikel, danke!

    Viele Grüße,
    Wiebke

    • Sabine Machowski

      Reply Reply 22. Februar 2017

      Liebe Wiebke,

      danke für Deinen Kommentar und Dein anschauliches Beispiel aus Deinem Alltag!

      Ja, das kommt mir selbst auch sehr bekannt vor. Die ersten Male habe ich mich bei den Festlichkeiten in der Kita für „gesunde“ Muffins (mit Karotte und Apfel und Dinkelmehl) eingetragen. Auch wenn ich in meinen Trainings immer predige, dass man loslassen soll bei den Ansprüchen.

      Doch nächste Woche zur Faschingsfeier gibt es gekaufte Rindersalami … die stand auch auf der List 😉

      Du hast es so schön geschrieben, sehr aufmerksam und achtsam sein, wenn das alte Programm anspringt! Das ist doch schon die halbe Miete, um so zu sein, wie man möchte und kann als Mutter!

      Und dann kann ich als Mutter vermutlich viel entspannter die Feierlichkeit genießen, da ich nicht so gehetzt bin!

      Viele Grüße
      Sabine

      • Wiebke Rimasch

        Reply Reply 22. Februar 2017

        Liebe Sabine,

        ach, du auch? Deine Muffins hätte ich übrigens gern gehabt. 😉

        Ja, das ist es wirklich: Wenn ich merke, dass ich mir mit sowas totalen Stress mache, dann versuche ich, es sein zu lassen.

        Ist ja auch schöner für die anderen Eltern, wenn da kein „Wettrüsten“ entsteht. Macht den Kontakt auch leichter, wenn man nicht erst stundenlang putzen, aufräumen und dekorieren muss, bevor der Besuch kommt 🙂

        Dir einen schönen Abend und viele Grüße,
        Wiebke

        • Sabine Machowski

          Reply Reply 22. Februar 2017

          Liebe Wiebke,
          ja, sie sind auch sehr lecker, diese Muffins 😉
          Das sehe ich auch so, dass es allen gut tut, wenn man „den Ball flach hält“ und sich auf das Wesentliche konzentriert, das Beisammensein.
          Danke, Dir auch einen schönen und entspannten restlichen Abend!
          Viele Grüße
          Sabine

  • barbara

    Reply Reply 24. Februar 2017

    Hallo,
    ja – „Wettrüsten“ ist treffend.
    Ich staune immer wieder, wie viel Zeit und Energie flöten geht, es anderen recht zu machen bzw. deren (vermeintlichen) Ansprüchen gerecht zu werden. (by the way: Natürlich ist Selbstgemachtes lecker und oft auch gesünder als Fertigkrams, aber es gibt ja Alternativen und – es ist auch nur ein Beispiel. Wem das Backen Freude macht, super … Nur, dann muss evtl. an andere Stelle „eingespart“ werden – denn es stehen ja leider nur begrenzt Power und Lebenszeit zur Verfügung (zumindest mir … ;-))
    Und mein Credo: Ausnahmen bestätigen die Regel. Dieses „immer“ kann nämlich echt Stress verursachen. Warum nicht flexibel sein? Heut so – morgen so …?
    In diesem Sinne, ein wunderbares Wochenende mit vielen schönen Momenten. Eure Barbara (demnächst wohl wieder auf der Leipziger Buchmesse anzutreffen … 😉

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