Unglücklich im Job? 3 Denkfehler, die Sie von der Veränderung abhalten

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Unglücklich im Job? 3 Denkfehler, die Sie von der Veränderung abhalten

Gastbeitrag von Wiebke Rimasch

 

Viele Menschen sind unglücklich im Job. Zu viele. Allein die aktuelle Studie der ManpowerGroup zeigt, dass 46 % mit ihrer Arbeit deutlich unzufrieden sind und gerne ihren Job wechseln möchten.

 

Bemerkenswert ist dabei, dass das nichts Neues ist: Dieser Wert variiert seit Jahren immer nur leicht.

 

Unglücklich im Job – ist das ein „Schicksal“?

 

Gründe für den Wechsel gibt es viele. Die Studie nennt vor allem vier: Unzureichende Bezahlung, fehlende Karriereperspektiven, mangelnde Anerkennung und schlechtes Betriebsklima.

Kennen Sie, oder?

Ich auch. Alles aus eigener Erfahrung.

Und aus Erzählungen von FreundInnen, KlientInnen, KollegInnen usw.

Und ich habe was Interessantes dabei festgestellt:

Je unglaublicher die Geschichten, die mir über das Unternehmen erzählt werden, desto sicher die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person dort bleiben wird.

Ich begegne Menschen, die einen unfassbaren Leidensdruck haben, die dauergestresst sind durch die Arbeit. Und zwar nicht nur, weil sie so viele Aufgaben hätten, sondern vor allem, weil sie es kaum noch aushalten. Weil es immer wieder Konflikte mit den Vorgesetzten oder Kollegen gibt. Weil sie nicht einverstanden sind, wie es im Unternehmen zugeht usw.

Trotzdem scheint die berufliche Veränderung schwer.

Und auch das kenne ich aus eigener Erfahrung.

Jetzt kündige ich! Oder doch nicht?

Überlegen auch Sie, sich nach einer neuen Arbeitsstelle umzusehen?

Sind Sie unzufrieden, ja: richtig unglücklich im Job und schrecken dennoch vor der beruflichen Veränderung zurück? In meinem Artikel zeige ich Ihnen 3 typische Denkfehler, die Sie vom Handeln abhalten – und was Ihnen hilft, tatsächlich den Schritt zu wagen:

 

Die 3 Denkfehler der beruflichen Veränderung

 

1. Sie denken, Sie müssen das aushalten

2. Sie denken, Sie können nichts verändern

3. Sie denken, Sie müssen sofort kündigen

 

1. Sie denken, Sie müssen das aushalten

Menschen, die im Job unglücklich sind, aber dennoch nichts verändern, haben häufig eine ausgeprägte Leidensfähigkeit. Es ist absolut nicht ungewöhnlich, jahre- ja sogar jahrzehntelang einer Arbeit nachzugehen, die man aus vollem Herzen ablehnt. Mir begegnet diese Haltung auch bei besonders leistungsbereiten Menschen. Zu Beginn ist da eine hohe Motivation, die Bereitschaft, über bestimmte Dinge hinweg zu sehen (bspw. der ruppige Umgangston), in der Hoffnung, dass sie im Laufe der Zeit weniger werden. Oder es sich irgendwann für die Karriere auszahlt.

Doch ich möchte davor warnen:

Es geht nicht spurlos an Ihnen vorbei, wenn Sie jahrelang wichtige eigene Werte und Bedürfnisse unterdrücken.

Es kostet viel Kraft, diese ständig zu unterdrücken – Erschöpfung ist von daher ein gutes und wichtiges Signal, hier genauer hinzuschauen. Auch Emotionen wie andauernde Wut und Traurigkeit sind Hinweise darauf. Genauso wie die Tendenz, sich selbst „klein zu halten“, also die eigenen (beruflichen) Ideen und Träume nicht umzusetzen oder zurückzuschrauben. Die Gefahr beim „Aushalten“ ist, dass Sie sich ein Stück weit verlieren.

Was hilft bei diesem Denkfehler?

Wenn Sie sich in diesem Denken wieder finden, ist der Ansatz, die verschüttet gegangenen Werte und Bedürfnisse wieder freizulegen, sich damit auseinander zu setzen und zu prüfen, wie Sie diese in ihrer Arbeit zukünftig einsetzen können – und ob sie dies in ihrem aktuellen Job können (und wollen).

Übrigens eine tolle Möglichkeit, wenn Sie grundlegend herausfinden möchten, wie für Sie erfüllende Arbeit (und ein entsprechendes Leben) aussieht!

 

2. Sie denken, Sie können nichts verändern

Dieser Denkfehler hängt eng mit dem „Aushalten“ zusammen: Sie sind überzeugt, dass Sie nichts tun können, damit es besser wird. Weil Sie nicht gut genug / nicht kompetent genug usw. sind.

Es fehlt Ihnen der Glaube an sich selbst.

Ohne diesen ist es schwer, Strategien zu finden, die eine Besserung im momentanen Job ermöglichen, oder sogar eine neue Arbeit zu finden. Dahinter steckt manchmal auch die Angst, dass sich die neue Arbeitsstelle als genauso schlimm oder schlimmer entpuppt.

Wissen Sie was? Sie könnten damit sogar Recht haben!

Je nachdem, wie lange Sie schon unglücklich im Job sind, hat das auch Einfluss auf Ihr Selbstvertrauen. Vielleicht haben Sie lange in einem Bereich gearbeitet, der Ihren Fähigkeiten und Talenten nicht entsprochen hat? In diesem Fall kann es sein, dass es Ihnen an selbstwirksamen Erfahrungen fehlt, und Ihnen dadurch der Glaube an Ihre Kompetenzen abhanden gekommen ist.

Das Märchen von der Komfortzone

Eventuell haben Sie auch schon gedacht (oder gehört), dass Sie einfach zu bequem sind? Dass Sie dringend mal „aus ihrer Komfortzone“ heraus müssen, um an Ihrer Situation etwas zu verändern?

Ich glaube das nicht.

Aus meiner Erfahrung weiß ich: Es fehlt nicht an Überwindung, sondern an der Überzeugung, dass Sie Ihre Herausforderungen auch bewältigen können.

Das hilft bei diesem Denkfehler:

Wenn Sie sich in diesem Denken wieder finden, ist es gut, Ihr Selbstbewusstsein etwas aufzufrischen, Ihre Fähigkeiten und Potenziale (wieder) zu entdecken und klare (Job-)Alternativen zu finden. Erstellen Sie sich bspw. einen Lebenslauf, der all Ihre Erfolge, gemeisterten Herausforderungen und Qualitäten aufzeigt. Holen Sie sich dazu auch hilfreiche und wertschätzende (!) Rückmeldungen von außen. Finden Sie heraus, was Sie motiviert, Ihren eigenen Weg zu gehen (dazu eigenen sich sehr gut die Werte und Bedürfnisse aus Denkfehler Nr. 1).

 

3. Sie denken, Sie müssen sofort kündigen

Wenn Sie unglücklich im Job sind, dann hilft nur eines: Kündigen! Oder?

Tatsächlich ist die Kündigung nur eine von vielen möglichen Lösungen. Und meistens auch die furchteinflößendste. Schnell tauchen existenzielle Fragen auf: „Wovon soll ich, meine Familie leben?“ Die Angst, die hieraus erwächst, lässt manche zurück schrecken. Ist dann gleichzeitig die aktuelle Arbeit nur noch schwer auszuhalten, entsteht besonders viel Druck – und der Gedanke, hilflos und angewiesen zu sein auf den jetzigen Job. Eine Situation, in der es schwer ist, sich mit Alternativen auseinanderzusetzen.

Nehmen Sie den Druck raus – und nehmen Sie sich ernst.

Der Aspekt der (finanziellen) Sicherheit ist häufig ein Thema in meinen Coachings. Genauso wie ähnlich gelagerte Absolutheitsansprüche „ich muss sofort einen neuen (Traum-)Job finden“ oder der Idee, mit vollem Risiko in die Selbständigkeit zu starten. Solche hohen Erwartungen blockieren Sie. Kreatives Problemlösen, neue Ideen und Alternativen lassen sich nicht besonders gut unter Stress und Angst entdecken.

Es gilt, diese Ängste ernst zu nehmen – schon alleine, weil sich hier eine gute Möglichkeit bietet, wieder handlungsfähig zu werden:

 Das hilft bei diesem Denkfehler:

Überdenken Sie weitere Lösungsstrategien neben der Kündigung. Etwa Wege, wie die jetzige Arbeit positiv verändert werden kann – entweder, um die Zeit bis zur neuen Arbeitsstelle erträglicher zu gestalten oder um Ihren aktuellen Job grundlegend zu verändern. Erfragen Sie auch, welche Möglichkeiten zur Versetzung bestehen. Prüfen Sie dann, ob solche Lösungen ein „fauler“ Kompromiss sind, weil Sie bspw. Denkfehler 1 („ich muss das aushalten“) und 2 („ich kann nichts verändern/ finde nichts Besseres“) anhängen.

Identifizieren Sie Blockaden, die aus hohen Ansprüchen entstehen, machen Sie einen Realitätscheck, prüfen Sie (finanzielle) Unterstützungsmaßnahmen und finden Sie neue Lösungswege.

 

Fazit: Sie müssen nicht alles glauben, was Sie denken

1. Hören Sie stattdessen darauf, was Sie fühlen:

Sind Sie unzufrieden bis unglücklich im Job? Und das schon über längere Zeit? Merken Sie, wie das Auswirkungen auf Ihre Arbeit, Ihr Privatleben und Ihre Persönlichkeit hat? Stellen Sie sich folgende Frage: Können Sie sich vorstellen, in Ihrem Job noch ein oder Jahre zu arbeiten? Wenn die Antwort „Nein“ ist:


2. Entwickeln Sie eine klare Vorstellung von Ihrer beruflichen Zukunft:

Welche Träume und Wünsche haben Sie? Welche Ziele und Herausforderungen wollen Sie meistern? Wie sieht Ihr erfülltes Arbeitsleben aus? Hier finden Sie mein Freebie „Finde deine Berufung 2.0“.

 

3. Entwickeln Sie eine klare Vorstellung von sich und Ihren Möglichkeiten:

Welche Kompetenzen, Leidenschaften und Talente haben Sie? Welche Aufgaben, Bereiche und Verantwortlichkeiten interessieren Sie?

 

4. Gehen Sie es an, statt es aufzugeben!

Starten Sie noch heute mit den Ihnen möglichen ersten Schritten. Besinnen Sie sich auf Ihr Tempo und auf das, was Ihnen hilft. Suchen Sie sich Unterstützung – z.B. ein Business Coaching -, um Ihre Erkenntnisse zu vertiefen und wenn Sie bemerken, dass es Ihnen schwer fällt. Nutzen Sie diese Möglichkeit, sich selbst und Ihrer Vorstellungen von einem guten Arbeiten und Leben weiter näher zu kommen.

 

Viel Freude dabei und beste Grüße

 

Wiebke Rimasch

 

 

Wiebke Rimasch macht Frauen beruflich glücklich. D.h. sie hilft ihnen dabei, ihre Arbeit so zu gestalten, dass sie zu ihnen passt: Ob Berufung, Traumjob oder einfach zufriedener und selbstbewusster im Beruf – alles für die gute Arbeit!

 

 

Infos zu Wiebke Rimasch und ihrer Arbeit finden Sie

auf ihrer Homepage wiebke-rimasch.de

sowie auf ihrem Blog.

 

 

 

P.S.: Ich hoffe, Ihnen hat der Gastbeitrag von Wiebke Rimasch gefallen!

 

Tragen Sie sich für meinen Newsletter ein, dann informiere ich Sie über neue Beiträge und Inspirationen rund um Gesund Führen, Gesund und glücklich arbeiten, Burnout-Prävention und Resilienz-Förderung.

 

Herzlichst Ihre Sabine Machowski

 

P.P.S.: Was meinen Sie hierzu? Kennen Sie das Gefühl, unglücklich im Job zu sein? Und kommen Ihnen die Denkfehler bekannt vor? Ich freue mich über Ihre Antworten und Erfahrungen sowie Ihre Fragen rund um das Thema Gesund und glücklich arbeiten – gerne hier als Kommentar unter dem Beitrag oder in einer E-Mail an info@ressourcenfokus.de.

 

7 Comments

  • Liebe Wiebke,

    stimmt genau, alles fängt im eigenen Kopf an. Wenn ich mich selbst nicht ernst nehme, dann ändere ich nichts. Und es kann ruhig etwas dauern, denn „Gut Ding will Weile haben“ – so mein Motto.

    Momentan weiß ich auch genau, dass ich aus meiner „Knochenmühle“ raus will und endlich freier leben.

    Wichtig ist einfach die Entscheidung, etwas zu ändern. Dann kann es das auch tun. Stück für Stück. Ich habe mich entschlossen, meine Arbeitszeit in der Apotheke bis Oktober auf 20 Stunden zu reduzieren und bis Ende nächsten Jahres ganz aufzuhören.

    Dann will ich nur noch für meine Leser und Kunden da sein.

    Deine Tipps sind wirklich sehr gut, denn ich denke, genau so kann man etwas ändern, wenn man nicht zufrieden ist.

    Herzliche Grüße
    Barbara

  • Wiebke Rimasch

    Reply Reply 17. Mai 2017

    Liebe Barbara,

    danke für deinen netten Kommentar! Toll, dass du bereits die Klarheit und den konkreten Plan hast, wie du aus der „Knochenmühle“ aussteigst, hin zu deiner passenden Arbeit!

    Und richtig toll finde ich, dass du es schrittweise machst! Das ist so wichtig, nicht nur, wenn man sich selbständig macht. Das man sich mit diesem Zeitdruck sonst einfach nur ein neues Hamsterrad bastelt, merkt man erst, wenn man mitten drin steckt … und dann ist die Existenzangst auf einmal sehr real. Kenne ich auch aus eigener Erfahrung 😉

    Ich wünsche dir viel Freude bei deinem Weg und natürlich viel Erfolg! 🙂

    Viele Grüße,
    Wiebke

  • Gerd

    Reply Reply 12. Juni 2017

    Hallo Wiebke,

    ganz wichtiger Artikel und ich persönlich glaube, dass es total vielen Menschen so geht. Ich selbst habe den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und weiß, was das heißt… Allerdings habe ich mir ein Mindset aufgebaut, dass mir sagt, dass ich es schaffe und das meine Klienten mich finden.

    In meinem alten Job habe ich eines vormittags, wo alle auf ihrer Tastatur rumgeklimpert haben mal nachgefragt, wer von den Leuten eigentlich wirklich das tut, was er tun möchte… Die Antwort: 0 von 6

    Alle wollten was anderes machen. Was die Leute gefangen hält ist ihre Angst und der Zwang Geld verdienen zu müssen.

    Dazu kann ich nur folgendes sagen: Sieh deinen jetztigen Job als Investment in deine eigene Selbstständigkeit und du kannst es leicht ertragen da jeden Tag hinzugehen. So lange bis du endlich deine Freiheit erlangt hast.

    Beste Grüße,
    Gerd

    • Wiebke Rimasch

      Reply Reply 23. Juni 2017

      Hallo Gerd,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar!

      Du sprichst da was wichtiges an: Selbstständigkeit kann eine Lösung sein – muss aber nicht 😉 eben aus den von dir genannten Gründen. Das sollte jede/r für sich gut prüfen, ob das der richtige Weg ist. Ich habe dazu diese Woche einen Artikel geschrieben http://wiebke-rimasch.de/selbststaendigkeit/

      Glaubst du, dass jeder Mensch selbstständig arbeiten kann/sollte? Finde ich eine spannende Frage. Du scheinst ja darauf zu setzen, dass man sich dahin entwickelt?

      Dir ein schönes Wochenende!

      Viele Grüße,
      Wiebke

      • Gerd

        Reply Reply 6. Juli 2017

        Liebe Wiebke,

        ich glaube, dass JEDER frei und selbstständig arbeiten kann und will, wenn das was er tut im Einklang mit seinem SEIN steht.

        Natürlich ist das in der aktuellen Zeit bzw. dem aktuellen Geld- und Kontrollsystem nicht der Fall.

        Beste Grüße,
        Gerd

  • Grüße,

    bin da auch durch.

    Und auch eine Freundin von mir, hat letztens ihren Job gekündigt.

    Verbunden mit vielen Ängsten und Zweifeln.

    Es war das Beste was sie hätte tun können. (Sagt sie selber)

    Jeden Tag seit sie da raus ist, sieht sie besser aus.
    Sie kommt zurück zu einer alten Vitalität und Frische, die ich so lange nicht mehr an ihr gesehen habe.

    Sieht richtig klasse aus 🙂

    Schon krass, was man sich manchmal selber antut.
    Wie verfahren die Situation im Kopf ist und wie wenig Spielraum man sich selber eingesteht.

    Grüße

    • Wiebke Rimasch

      Reply Reply 26. Juni 2017

      Hallo Matthias,

      na, dann Glückwunsch zu deinem Mut und deiner Klarheit, zu kündigen 🙂

      Dieses „Aufblühen“ wenn man dann im passenden Job ist, das kenne ich auch!

      Und: es ist echt ein Prozess, meist geht es nicht von heute auf morgen. Aus meiner Erfahrung ist es wichtig, die Verstrickungen, die einen im Job halten, langsam aufzulösen, bis man merkt, „was man sich selbst antut“, wie du so schön schreibst.

      Eine schöne Woche dir!

      Viele Grüße,
      Wiebke

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